Florian Domberger

Eroberer der Brot-Wüste

Florian Domberger steht hinter dem Tresen seiner Berliner Bäckerei und schaut zufrieden zu, wie fleißige Mitarbeiter Teige falten, Zutaten mischen und die Verkäuferinnen frische Brötchen und Brote in die Regale räumen.

Es ist kurz nach 6 Uhr früh und man könnte meinen, dass das hier alles ganz normal sei. Aber da täuscht man sich gewaltig. Die meisten von Dombergers Kunden würden sich wundern … Alles sieht aus, wie die perfekte Vorzeige-Bilderbuch-Bäckerei und das ist auch so beabsichtigt.

Doch dahinter stehen fast 50 Jahre Lebenszeit und Erfahrung – der Großteil davon hatte jedoch mit Brot nie etwas zu tun.

Die Sehnsucht zum Brot kommt mit Florians langer Reise durch verschiedene Kontinente. Zu Beginn seine Zeit als Offizier, danach folgen Jahre als Logistiker und auf Karrierekurs als Manager in diversen Konzernen. Hongkong, Indonesien, Australien und Schweiz. Mit 48 und kurz vor dem nächsten Karrieresprung, die Aktienpakete schon sicher in der Tasche, schmeißt Florian seinen Job hin und tauscht ihn gegen einen ausrangierten Armeeanhänger mit integrierter Feldbäckerei. Sicherheit gegen Freiheit. Konzernanteile gegen die Realisierung einer eigenen Idee. Er will ein eigenes Business aufziehen. Er will etwas von Grund auf aufbauen, etwas, in dem er einzigartig und erstklassig sein kann. „Meine Kollegen sagten, ich hätte einen Vogel. Ja, genau.“

Mit 48 meinen sicheren und lieb gewonnenen Job hinwerfen. Genau das habe ich getan. Nach 10 Jahren Grübeln, nach Jahren der Belastung und Planung wusste ich, dass ich mir meine Freiheit nicht wegkaufen lasse.

Die Möglichkeit, einfach „Nein” zu sagen, findet er cool. Ihm wird bewusst, wie wertvoll die Verwirklichung seiner Idee tatsächlich ist.

Schlechtes Brot ist für mich ein Horror. Da esse ich lieber Reis!

Mehl, Menschen, Salz und Zeit. Mehr braucht ein gutes Brot nicht. Keinen Firlefanz. Das wissen die meisten nicht mehr. Er macht sich mit der mobilen Bäckerei auf den Weg. Auf seine ganz eigene Mission: Brot-Wüsten erobern. Ein handgefertigtes Brot gegen den Einheitsbrei der Industrie. Ein Feldzug für die Wiederentdeckung des echten Geschmacks. Er backt da, wo die Menschen sind: im Kiez, auf Schulhöfen, bei Festivals.

Florian verkauft Brot. Durch seine strikte Konsequenz begeistert er seine Kunden. Es ist das Pure und das Ursprüngliche, das die Menschen nicht mehr zu kennen scheinen. Er zeigt ihnen sein Handwerk, lässt sie Schritt für Schritt zusehen. Seine Ehrlichkeit kommt an. Sogar andere Bäcker melden sich und wollen lernen, was Florian macht.

10 Jahre Planung. 10 lange Jahre, in denen er verfeinert, feilt und das Ganze auf solide Beine stellt. Nie hat er daran gedacht aufzugeben. Don’t stop dreaming. Er will es gut machen, will nichts überstürzen. Die Gefahr des Scheiterns ist groß. Der Job im Konzern bleibt seine Alternative. Er fragt sich, traust Du Dir das wirklich zu? Seine Freunde sind sich da schon sicher. Florian bleibt akribisch und sucht sich Ratgeber, erfahrene Geschäftsleute und erfolgreiche Bäcker.

An einem gewissen Punkt brauchte ich einen Sparringspartner, der mich in den Hintern trat und sagte: Mach es, du schaffst das.

Vom Businessman zum Bäcker. Von der Karriereleiter zum Geschäftsführer eines Handwerksbetriebes. Von der Vision in die Wirklichkeit. Florian macht den Sprung und startet durch. Er arbeitet hart. Leidenschaftlich, aber hart. Manchmal ist er so müde, dass er umfallen könnte. Aber für Erschöpfung bleibt ihm schlichtweg keine Zeit. Nach ungefähr eineinhalb Jahren ist es vollbracht. Das Domberger-Brotwerk ist auf Erfolgskurs. Vielleicht arbeitet Florian heute mehr als je zuvor. Doch das fällt ihm gar nicht auf. „Es ist genau das, was ich immer machen wollte, und das macht mich zufrieden.“

Interview: Caroline Pusch
Fotos: Deniz Saylan