Matija Kovac

Frontmann mit Blockflöte

Indie-Pop und Blockflöte sind ein ziemlich ungleiches Paar. Aber Sänger Matija Kovac vereint beides virtuos auf der Bühne. Er lässt sich in keine Schublade stecken. Als wir ihn morgens um 10 Uhr in seinem Wohnzimmer in München treffen, wird eines schnell klar, dieser Mann lebt für die Musik. Er geht seinen Weg. Und es macht ziemlich viel Spaß ihm und seiner Band dabei zuzuhören.

„Ich wusste schon mit drei, vier Jahren: Es gibt Songs, die machen mich glücklich und Songs, die mich irgendwie nicht so glücklich machen“, stellt Matija Kovac rückblickend fest. Musik spielt schon in seiner Kindheit eine wichtige Rolle. Sie löst in ihm etwas aus – das hat ihn schon sehr früh fasziniert. Sein erstes Instrument ist die Blockflöte. Da ist er sechs Jahre alt. Seitdem lässt ihn das Instrument nicht mehr los. Auch nicht als er mit seinen Mitschülern Johann, Jan und Sami die Band „The Capitols“ gründet. Was als Schülerband beginnt, entwickelt sich zu einer Indie-Band mit Plattenvertrag. Dahinter steckt ein Plan und wer in Klischees denkt, ist bei dem Fünfundzwanzigjährigen und seinen Bandkollegen an der falschen Adresse.

In der Findungsphase nach dem Abitur stellt Matija fest: „Wenn ich in der Band bin und wir live spielen, dann habe ich das Gefühl das Maximale aus meinem Leben herauszuholen“. Er und die Jungs entscheiden sich für die Musik. Sie sehen die Band als Job mit festen Arbeitszeiten und Regeln an. Sie proben jeden Tag vier Stunden lang, verbessern ihre Technik und feilen an ihren Songs.

Ich möchte mit meiner Band durch die Welt reisen, überall live spielen und den Menschen mit unserer Musik Kraft und Hoffnung geben. Das ist mein Traum!

Schon bald spielen sie in ausverkauften Clubs und auf Festivals. „Egal wo wir hingingen, es schien den Leuten gut zu gefallen“. Ein Produzent wird auf sie aufmerksam, nimmt sie unter Vertrag. Im Studio in Hamburg erfindet sich die Band neu. Die Richtung ist eindeutig: Indie-Pop. Aus „The Capitols“ wird „Matija“. Das erste Album erscheint 2017.

„Ich finde es cool, der Frontmann mit Blockflöte zu sein. Irgendwann haben wir das ausprobiert und es hat funktioniert. Sie ist für uns ein USP.“ Seit 19 Jahren spielt Matija nun Blockflöte, studiert das Instrument nebenher an der Hochschule für Musik und Theater in München. „Ich habe es immer sehr geliebt, sie zu spielen. Mit ihr bewege ich mich in der Barock-, Klassik- und Renaissance-Musik. Eine musikalische Zeitreise, die ich sehr genieße.“ Auch wenn er keinen Plan B haben will, weiß Matija, dass die Blockflöte eine zweite Karriere wert wäre.

Um die Extreme seines Künstlerlebens auszugleichen, steuert er mit einem geregelten „Spießer-Alltag“ dagegen: Er steht früh auf, kocht, macht Sport. Mit wiederkehrenden Abläufen schafft er sich das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit – einen Rückzugsort für Durchhänger. Und auch für Krisen wie im letzten Jahr. Zuerst verlässt Johann die Band. Es ist schwer, ihn zu ersetzen. Sie müssen sich wieder neu erfinden. Als Trio gelingt ihnen trotzdem eine erfolgreiche Festival-Saison.

Dann gibt es Schwierigkeiten bei der Fertigstellung des zweiten Albums. Matija und seine Kollegen wollen die neuen Songs und damit auch einen neuen Sound dem Publikum präsentieren, doch der Prozess zieht sich in die Länge. Ist es jetzt soweit? Jetzt doch aufgeben? Sie machen weiter.

Im April 2020 wird die erste Single „I did absolutely nothing today“ veröffentlicht und erreicht innerhalb weniger Wochen über 150.000 Streams auf Spotify. Und das in Corona-Zeiten!

Wenn das Leben dir auffordernd einen Tsunami vor die Füße schleudert und du einfach so weggewischt wirst: Du fliegst hin, stehst wieder auf und läufst weiter. So bin ich. Ich würde weiterlaufen bis zum Umfallen. Es gibt für mich nichts, was ich ändern würde. Ich will meinen Weg gehen, so wie ich ihn mir vorstelle, ohne von äußeren Umständen beeinflusst zu werden, nicht von Geld, nicht von meinen Eltern und nicht von der Gesellschaft. Von nichts.

Inspired by F. Scott Fitzgerald’s “A Winter Dream”

All the sad young men

As we traverse deserted streets,
the sadness of the night emerges.
We do not know
I take the trouble of staying alive
Do what it takes to serve.

For all my life I stored a dream.
Inside of my transparent heart.
And as we struggle through malicious fights
This dream remains as my guard.

Where did all the sad days go?
When hearts prolonged the endless roads.
The sad young men say they don’t know.
Why happiness died long ago.

The excitement of tranquility
abandoned after all the pain.
All that matters was her visibility
As she reassured her honesty in the pouring rain.

And as winter dreams turn into nostalgic waves.
A coupe crashes into a 305.
And if you appear not to be sitting inside.
Good god, I hope you drive.

The sad young men will keep their tune
echoing from out of space.
let everybody know, that we exist
and die by the end of our race. without a trace. after the chase

Das zweite Album von Matija „Bye-bye skies of yesterday“ erscheint im Oktober 2020.

Interview: Caroline Pusch
Fotos: Deniz Saylan